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The Walking DeadIch war mal kein großer Freund von Zombies, wird Andi bestätigen können – bis heute habe ich eine der Anfangsszenen von 28 Days Later vor Augen, in denen ich im vollen Saal wegen einer Autoalarmanlage vor Schreck an die Decke gesprungen bin und Andi sich scheckig lacht.

Mit The Walking Dead kam für mich das, was man wohl als “niedrigschwelligen Einstieg” bezeichnen könnte: Eine meist überschaubare Zahl langsamer bis maximal mittelschneller Zombies, vergleichsweise leicht unschädlich zu machen (schweres Schädel-Hirn-Trauma, sehr klassisch) – aber trotz des Titels der Serie keineswegs deren Kerninhalt. Vielmehr steht im Fokus das Mensch-Sein an sich; die unangenehme Frage, wie fragil die dünne Schicht der Zivilisation in der rauen Welt der Zombieapokalypse wohl sein wird. Nachzusehen, ob die Wohungstür wirklich geschlossen ist, ist nach Zombieangriffen wahrscheinlich normal. Aber nach Walking Dead fange ich an nachzurechen wie lange die Nudelvorräte wohl reichen. Wie lange sie reichen wenn man mit den Nachbarn teilt. Ich überlege, wann ich bereit bin dem Zombie, der einst mein Nachbar war, ohne zu Zögern den Schädel einzuschlagen. Und wann meine persönliche Menschlichkeit nicht nur ausreichend gelähmt ist um mich mit brachialer Gewalt selbst zu verteidigen, sondern meine Nudeln für mich zu behalten.

Nicht unbedingt ein rosa-flauschiges Gedankenspiel, aber eines, das ich ganz allgemein an dergleichen (post-)apokalyptischen Szenarien mag. Im Paradies nett sein kann jeder. The Walking Dead hat mir vor diesem Hintergrund bisher großen Spaß gemacht: Mein Innerstes zu erforschen wieviel Luke in mir steckt, und wieviel Anakin in den dunklen Schatten lauert. Aber jetzt, jetzt ist etwas geschehen. Vor kurzem startete die vierte Staffel von The Walking Dead, und ich hatte mich wirklich gefreut. Die erste Folge gesehen. Die zweite. Und ich bin not amused. Nach dem fulminanten Ende der letzten Staffel scheint die bisherige Handlung erstmal zum Teufel, und wir fangen scheinbar von vorne an: Kleine versprengte Grüppchen, die sich aus verschiedenen Gründen finden oder aus dem Weg gehen müssen, ein paramilitärisch organisierter Haufen zwielichter Gestalten, am Horizont eine letzte Freistätte der Menschheit – wenn sich herausstellt, dass der Governor einen Zwilling hat, wundern würde es mich nicht. Die Teaser-Snippets zur nächsten Folge schrecken mich eher ab als meine Erwartung anzustacheln. Vielleicht ist man mit Sich-vor-sich-selbst-gruseln auch irgendwann durch, aber ich glaube ja schon, dass meinen plötzlichen Mangel an Begeisterung AMC zu verantworten hat.

Ganz aufgegeben habe ich die Hoffnung noch nicht, vielleicht überrascht mich The Walking Dead doch noch und kriegt mich wieder. Aber im Moment entsteht zu sehr der Eindruck eines “Mini-Reboots” um den Einstieg in die Serie zu erleichtern, und für ein derartig langes Luftholen bin ich – überraschenderweise, ich stelle meinen eigenen Anspruch ja gerne mal unter den Scheffel – scheinbar nicht genügsam genug. Vielleicht bin ich doch allmählich reif für The Wire.

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